Das älteste Restaurant in Blankenese seit 1733

Eine Tradition wird fortgesetzt. Es begrüsst Sie Familie Brüchmann mit Crew.
„Zum Bäcker“ – eine kleine Chronik

2013 feiert Blankeneses älteste Gastwirtschaft 280-jähriges Bestehen
Zurück zur Tradition

Schiffe kucken und Bierchen trinken am Strandweg beim Bäcker - das gehört zu Blankenese, seit der örtliche Fischersohn und Bäckermeister Adolph Lindemann  sich 1733 auf einem großen Grundstück unten am Wasser eine eigene Backstube baute. Und schnell begreift, dass seine Fischerkumpel nicht nur Lust auf Brötchen haben.
Schon besorgt jung Adolph sich die auch damals schon nötige Konzession für den Ausschank von Bier und Branntwein. Und landet mit seinem Biergarten auf dem Vorland einen Volltreffer.
Wo die Fischer sitzen, sitzt bald auch das ganze Dorf. Beim Bäcker wird gefeiert, sonntags wird getanzt. Löschen sie im Krug die Lampe, geht sie in der Backstube schon wieder an. Wie immer jung Adolph das schafft, sein Sohn macht so weiter.
Erst der Enkel lässt Ende des 18. Jahrhunderts den Backofen kalt und konzentriert sich ganz auf die Krügerei.
Vier Generationen geht das so. Dann kommt die Krise. Den Blankneser Fischern geht's schlecht, weitere Lokale sind entstanden. Urenkel Albert macht Pleite und muss verkaufen. Am 17. Dezember 1847 ersteigert der Dorfdoktor  Waldemar Nissen die Immobilie für 4350 Courant Mark und zieht ins Wohnhaus ein.
Der Krug wird zur Praxis, die Backstuv bleibt kalt.
Nach sechs Jahren verkauft der Doktor das Anwesen mit einem netten Aufschlag für 5000 Mark an den Bäckermeister Carl Wilhelm Borrack und zieht nach Ottensen. Borrack lässt das Reetdach durch moderne Pfannen ersetzen und nennt die Wirtschaft „Zur Linde“.
Sein Backstuben-Hit ist Zwieback – als Schiffsproviant und Notration für Rettungsboote.
Nach Borrack's Tod verhökern die Erben die „Linde“ 1888 für mittlerweile 14 000 Goldmark erneut an einen Bäcker, Rudolf Holtz vom Lande bei Lübeck. Holtz hat sein Handwerk in Nienstedten bei Louis Pieper gelernt, dem heutigen Landhaus Dill und schon damals eine feine Adresse.
Er gibt der Wirtschaft ihren heutigen Namen „Zum Bäcker“. Die altersschwache Linde im Osten des Grundstücks ersetzt er durch eine junge im Westen. Unter deren Schatten zischen die Terrassengäste bis heute ihr kühles Blondes. Planmäßiger Dampferverkehr von Hamburg und Altona nach Blankenese setzt ein, das Geschäft am Strandweg blüht auf.
Holtz investiert in einen grundlegenden Umbau und ersetzt 1910 sogar den alten Steinbackofen hinterm Haus durch einen neuen. Sein Etablissement ist nun auch bei Künstlern beliebt.
„Wann werden wir mal wieder in Deiner wundervollen Blankeneser Grog-Kneipe sitzen?“, fragt Detlev von Liliencron aus Rahlstedt seinen Dichterkollegen Richard Dehmel in einem Brief vom 10. Mai 1903. Dichter Dehmel lebt am Süllberg. Liliencron besucht ihn oft, um mit ihm in dessen „tief, tief anheimelnder“ Stammkneipe diversen Gläsern auf den Grund zu gehen.
Rudolf Holtz stirbt am 20. Januar 1915 auf dem Heimweg von einer Bäckerversammlung an einem Herzschlag.
Seine Witwe führt die Geschäfte weiter, legt zwei Terrassen an und stockt auf, stirbt aber 1931 und 1937 auch ihr Sohn und Nachfolger Rudolf jr. Dessen verwitwete Schwester Maria Jannsen-Holtz führt den "Bäcker" durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre bis 1950.
Unter den Geschwistern Rudolf und dann Maria gilt der „Bäcker“ kritischen Freidenkern, darunter der Künstler Hans Leip, als Refugium. Der Autor Konrad Tegtmeier schreibt 1948 in seiner „Blankeneser Tafelrunde“ über die Nazizeit in Blankenese: „Wir ... tagten fortan am Strandweg, beim Bäcker, wo vor Zeiten Dehmel, Falke und Liliencron Umtrunk gehalten haben. Unserer Wirtin, Frau Jannsen, ebenso liebenswürdig und gütig in ihrer Nachsicht wie unerschrocken in ihrer Meinungsäußerung, wussten wir uns verbündet, und weil es doch nicht verborgen blieb, dass hier eine Insel war, fanden in jenen Tagen Gleichgesinnte an unseren Tisch.“
Nach über einem Jahr Leerstand pachtet der
Gastwirt Walter Böhme 1952 den "Bäcker". Gemeinsam mit seiner Frau Frieda macht er das Restaurant durch selbstgebackenen Kuchen – besonders beliebt: Käsetorte – und unvergleichlich große, fangfrische Schollen vom Blankeneser Fischhändler Breckwoldt über Blankenese und Hamburg hinaus bekannt. 1963 kauft er das Haus von der Familie Jannsen. Gemeinsam mit seiner Tochter Gisela und deren Mann Paul Brüchmann, einst Oberkellner in „Schümanns Austernkeller“, führt Opa Böhme den Laden über lange Zeit.
Nach Pachtverhältnissen mit mediterranen und anderen hier absolut verirrten Küchen übernimmt Brüchmann's Enkel Manfred, an der Küste nur als Manne bekannt,
im Frühjahr 2010 mit seiner Frau Birgit und Tochter Maria das Lokal. Die Familie wohnt schon lange im Dachgeschoss oben drüber und renoviert das Lokal mit viel Geschmack und Liebe zum Detail. Die alten Fliesen im Gastraum bleiben erhalten und korrespondieren mit gekalktem Holz, warmen Grautönen. Historische Fotos werfen ein Licht auf die Geschichte des einstigen Fischerkrugs, zeitgenössische Bilder zeigen das heutige Leben auf dem Elbstrom. Gemütliche Sitzecken und ein moderner Bar-Tresen laden in der Gaststube ebenso zum Verweilen ein wie die geschützte Terrasse. Lichtdurchflutete Räume in der ersten Etage bieten Platz für geschlossene Gesellschaften. Wie anno dazumal prägen frische saisonale Küche, Fisch aus eigenen Reusen (Segler und Segelmacher Manne hat seit 1995 eine Elbfischerlizenz), hausgemachte Torten und Blechkuchen die Speisekarte.
Zu besonderen Anlässen denkt sich der Patron entsprechende Schmankerl aus. Wenn die Osterfeuer am Strand lodern, wird saftiges Lamm serviert. Wenn am Wochenende auf dem Mühlenberger Loch Jollen um die Wette segeln, gibt’s ein Regattafrühstück. Und wenn wieder mal die "Queen Mary II" oder ein anderer Musikdampfer vorbeikommt, dürfen die Gäste beim „Bäcker“ zur Logenaussicht ein viergängiges „Captain’s Farewell Dinner“ genießen.

Verfasst von den "Norddeutschen Nachrichten" (Kröger Druck Blankenese), überarbeitet von Susanne Opatz, poliert und eingekürzt von FACTORY HAMBURG GMBH, die zu "Blankeneses ältester Gastwirtschaft" anmerkt: Pech für Manne, dass es in der Koppel am Hauptbahnhof noch die "Alte Flöte" gibt. Die "Ohle Fleit", heute ein Portugiese, ist von 1661. Ohne die wäre der "Bäcker" von 1733 vermutlich die älteste Tankstelle in ganz Norddeutschland ...
 

 

Verfasst von den Norddeutschen Nachrichten(Kröger Druck Blankenese) und überarbeitet von Susanne Opatz

info@zum-baecker -blankenese.de

Alle Fotos sind mit Genehmigung des Besitzer, sowie eigene Postkarten von W. Böhme. Einige Fotos sind historische Aufnahmen und somit öffentlich. Wir danken allen, die uns Fotos zusenden.